




| Realismus Ein Mensch erhofft sich leis' und still, dass er einst das kriegt, was er will, bis er dann dann doch dem Wahn erliegt und schliesslich das will, was er kriegt! | Wandlung Dass wir den Arzt nicht fürchten dürfen, ist klar - doch wenn wir tiefer schürfen, so kommen wir auf den Gedanken: heut fürchtet mehr der Arzt die Kranken! |
| Nur Sprüche Ein Mensch erklärt voll Edelsinn, er gebe notfalls alles hin. Doch eilt es ihm damit nicht so sehr - denn vorerst gibt er gar nichts her.... | Allzu eifrig Ein Mensch sagt - und ist stolz darauf - er geh in seinen Pflichten auf. Bald aber nicht mehr ganz so munter, geht er in seinen Pflichten unter. |


| Das Schnitzel Ein Mensch, der sich ein Schnitzel briet, bemerkte, daß ihm dies missriet. Doch, da er es sich selbst gebraten, tut er, als sei es ihm geraten, und, um sich nicht zu strafen Lügen, isst er's mit herzlichem Vergnügen! |
Wandlung Ein Mensch führt, jung sich auf wie toll: er sieht die Welt, wie sein soll. Doch lernt auch er nach kurzer Frist, die Welt zu sehen, wie sie ist. Als Greis er noch den Traum sich gönnt, die Welt zu sehen, wie sie sein könnt. |


| Für Architekten Ein Mensch, der auf ein Weib vertraut und drum ihm einen Tempel baut und meint, das wär sein Meisterstück, erlebt ein schweres Bauunglück. Leicht findet jeder das Exempel: Auf Weiber baut man keinen Tempel! |
Bühne des Lebens Ein Mensch, von einem Weib betrogen, ergeht sich wüst in Monologen, die alle in dem Vorsatz enden, sich an kein Weib mehr zu verschwenden. Doch morgen schon -was gilt die Wette?- übt wieder dieser Mensch Duette. |


| Verdienter Hereinfall Ein Mensch kriegt einen Kitsch gezeigt doch anstatt dass er eisig schweigt, lobt er das Ding, das höchstens nette, fast so, als ob er's gerne hätte. Der Unmensch, kann er es so billig, zeigt unverhofft sich schenkungswillig und sagt, ihn freu's, dass an der Gabe der Mensch so sichtlich Freude habe. Moral: Beim Lobe stets dran denken, man könnte dir dergleichen schenken! |
Durch die Blume Ein Mensch pflegt seines Zimmers Zierde, ein Rosenstöckchen mit Begierde. Giesst's täglich, ohne zu ermatten, stellt's bald ins Licht, bald in den Schatten, erfrischt ihm unentwegt die Erde, vermischt mit nassem Obst der Pferde, beschneidet sorgsam jeden Trieb - doch schon ist hin was ihm so lieb. Leicht ist hier die Moral zu fassen: Man muss die Dinge wachsen lassen! |


nicht nur für den, der in ihn reist; auch den, der dableibt, freut die Schonung, die er geniesst in stiller Wohnung. So zählen zu den schönsten Sachen oft Reisen, die die andern machen! |
Mitleid Das Mitleid kann, selbst echt und rein mitunter falsch am Platze sein. Mit Takt gilt es zu unterscheiden, was jeweils heilsam für ein Leiden, ob Händedruck aufmunternd, stark, ob in die Hand gedrückt zehn Mark. |


